Neben der Auffahrt zum Highway in Dunedin warte ich erstmal über eine Stunde. Ein Mann hält an, was ich zuerst gar nicht bemerke, deshalb steigt er aus und kommt zu mir rüber. Er könnte mich für 14 km mitnehmen. Das hält er allerdings für unsinnig, da dort kein guter Ort zum Trampen ist. Stattdessen nimmt er mich mit um die Ecke und etwas den Hügel hoch, kurz bevor der Highway beginnt. Hier fährt jetzt wirklich jeder raus aus der Stadt und tatsächlich werde ich hier nach nur wenigen Minuten mitgenommen. Von Cindy werde ich bis Palmerston mitgenommen und von ihr am Ortsende abgesetzt. Gerade als sie wegfahren will, hält sie nochmal an und gibt mir ihre Telefonnummer. Falls ich keine Mitfahrgelegenheit finde soll ich sie anrufen. Das ist allerdings nicht nötig, da ich fünf Minuten später von einem Arbeiter aus der Goldmine mitgenommen werde. Er fährt nach Oamaru und setzt mich bei den Moreaki Boulders ab. Ich lasse meinem Rucksack beim Parkplatz und laufe den Strand etwas ab, um einen Platz zum Schlafen zu finden. Nach einer Woche Stundentenleben will ich mal wieder raus und André, der Franzose aus den Caitlins, hat mir die Angst vor der 200 Dollar Strafe fürs Wildcampen genommen. Ich koche auf dem Parkplatz eine Packung Instantnudeln zum Abendessen und warte auf den Sonnenuntergang. Sobald es dunkel ist laufe ich den Strand runter und breite meine Isomatte und Schlafsack, etwas abseits vom Parkplatz und hinter etwas höherem Gras versteckt, aus. Nachts wache ich ein paar Mal auf und beobachte eine Zeit lang das Meer oder die Sterne. So richtig schlafen kann ich dann doch irgendwie nicht. Ich wache auch mit dem ersten Licht noch vor meinem Wecker auf, rolle meine Isomatte zusammen und hänge mir den Schlafsack erstmal nur um den Hals. Dann geht es auf die andere Seite vom Strand zu den Boulders. Während ich Fotos mache trocknet mein Schlafsack auf einem der Steine. Ein anderer Fotograf hat es auch früh aus dem Bett geschafft und der Strand gehört uns allein. Als das beste Licht verschwindet und ich meine Kamera wegpacke, kommen gerade die ersten Touri-Busse an. Gutes Timing um für mich zu verschwinden!
Vom Parkplatz gehe ich den kurzen Weg zur Straße hoch. Von dort versuche ich fünf Minuten lang eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Irgendwie habe ich aber keine Lust auf Warten und deshalb ziehe ich mir meine Schuhe an und laufe bis zur nächsten Ortschaft. Dort mache ich kurz vorm Ortsende eine kurze Trinkpause. Als ich mich umdrehe hält gerade ein Auto hinter mir. Der Typ grinst mich an und zeigt auf seinen Beifahrersitz. Ich laufe rüber zu ihm und er nimmt mich bis nach Oamaru mit. Ist auch besser so, denn es ist doch noch ein ganz schönes Stück. Er setzt mich im Ortszentrum neben dem Infocenter ab. Es gibt eine Pinguin Station in Oamaru, allerdings darf man sie nicht fotografieren, deshalb finde ich das dann doch wieder uninteressant. Ich setze mich also erstmal auf die Bank vorm Infocenter um zu frühstücken. Kurz darauf kommen zwei Deutsche an, die gerade mit dem Fahrrad durch Neuseeland radeln an und wir unterhalten uns etwas. Als sie weiter fahren laufe ich etwas durchs Ortszentrum. Eine Menge schöne, alte Gebäude gibt es hier und alle sind recht gut erhalten. Ich möchte allerdings nicht zu weit von meinem Rucksack weg, deshalb komme ich auch bald wieder zurück und deponiere ihn für zwei Dollar für ein paar Stunden im Infocenter. Danach mache ich mich auf eine kleine Fototour durch den Ort und schreibe den Bericht über Dunedin im Park. Kurz bevor ich den Rucksack abholen muss, mache ich mich dann noch auf die Suche nach einem Schlafplatz für heute Nacht und werde etwas weiter außerhalb fündig. Mit dem Rucksack warte ich dann im Park auf Sonnenuntergang damit ich rüber zum Opernhaus kann, da das in der Nacht, laut Mama, schön beleuchtet ist. Das ist allerding dann doch etwas schwerer zu fotografieren, da es nicht durchgängig beleuchtet ist, sondern das Licht die ganze Zeit wechselt. Auf dem Weg dorthin finde ich dann noch einen anderen Schlafplatz, zu dem ich dann später auch zurück gehe, da er zentraler ist. Dafür liegt er allerdings zehn Meter neben der Bahnlinie. Ich hoffe einfach, das nachts hier nicht so viel Verkehr ist und lege meine Isomatte zwische zwei Büsche. Nachts um Eins wach ich dann allerdings doch auf, da ein Güterzug durchrattert. Immerhin fährt er langsam und ich hab Ohrstöpsel drin, das heißt ich wach nur auf und bekomme keinen Herzinfarkt. Am nächsten Morgen stehe ich wieder vor Sonnenaufgang auf und laufe runter zum Hafen um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Als mein Schlafsack wieder einigermaßen trocken ist geht es dann zum Ortsausgang von wo ich versuche zum Mount Cook zu kommen.
Kaum habe ich den Rucksack abgesetzt werde ich auch schon vom dritten Auto mitgenommen. Zum ersten Mal von einem alleine reisenden Mädchen. Sie ist auf dem weg nach Christchurch und wir sind so in unsere Unterhaltung vertieft, dass ich komplett vergesse, dass ich ja eigentlich nach zehn Kilometern wieder raus muss. Bis ich das merke bin ich schon zwanzig Kilometer an der Abzweigung vorbei, also setzt sie mich an der nächsten Abzweigung Richtung Mount Cook ab. Dort werde ich auch nach kurzer Zeit vom mächsten Mädchen mitgenommen, die mich bis nach W############################# fährt. Dort bleibe ich dann aber erstmal für eine Zeit stecken. Das Problem: Jeder der aus dem Süden kommt nimmt den Highway 82 und aus dem Norden führt der Highway 8 über Timaru zu Mount Cook. Ich stecke genau dazwischen auf dem Highway 83 und deshalb warte ich wieder über eine Stunde, bis mich ein Farmer bis zu seiner Farm mitnimmt. Die ist allerdings noch immer 16 Kilometer vom nächsten Ort Kurow entfernt – der hat allerdings auch nur 500 Einwohner. Ich laufe also von dort, da ich eh schon lang keinen Verkehr mehr gesehen habe und versuche nebenher zu trampen. Ein paar Autos fahren vorbei, doch dann hält auch schon wieder eins an. Am Steuer sitzt Christian, der schon Dillan aus den USA aufgegabelt hat. Er bringt uns beide bis nach Kurow und wir beschließen zusammen weiterzutrampen. Allerdings warten wir in Kurow auch wieder recht lange. Wir kommen jetzt immer tiefer ins Hinterland und viele Autos kommen nicht mehr vorbei. Irgendwann nimmt uns allerdings doch jemand mit in die nächste Ortschaft und von dort etwas später auch jemand bis nach Omarama, wo sich unsere Wege auch schon wieder trennen. Er muss weiter nach Queenstown und biegt links ab und ich mache mich in die andere Richtung weiter nach Mount Cook. Am Ortsausgang treffe ich auf Lorenzo, der hier schon eine Weile wartet. Er ist auch aus Deutschland und möchte ebenfalls zum Mount Cook. Nach kurzer Zeit werden wir auch wieder aufgegabelt und bis zur letzten Abzweigung mitgenommen. Von hier geht es noch 65 Kilometer die letzte Straße runter. Es ist allerdings schon kurz vor Sonnenuntergang und die Autos werden weniger, daher freunden wir uns schonmal damit an hier zu übernachten. Das erste Auto fährt noch vorbei, das zweite hält dann aber an und wir kommen mit den zwei Engländern, die uns mitnehmen, genau bei Sonnenuntergang an. Nachdem die Zelte aufgebaut sind und das Abendessen fertig ist, setzen wir uns noch etwas zusammen. Es wird nach Sonnenuntergang aber so schnell kalt, das selbst zwei Pullis, eine Jacke, eine lange Hose und zwei Tassen Tee nichts mehr helfen. Die zwei Londoner sitzen sogar mit Wärmflasche und Decke in ihren Stühlen. Kurz nach zwölf hält es keiner von uns mehr aus und wir ziehen uns alle zurück. Im Schlafsack wird es allerdings auch nicht mehr viel wärmer, die Nacht wird also nicht die gemütlichste.
Am nächsten Morgen bin ich der Letzte, der aufsteht. Ich hätte allerdings noch etwas im Zelt liegen bleiben sollen. Die Sonne schafft es erst gegen Neun über die Berge und dann wird es innerhalb von wenigen Minuten wieder schlagartig warm. Bis ich es geschafft habe meine halbgefrorene Nutella auf mein Brot zuschmieren macht sich Lorenzo schonmal auf den Weg zum Berg hoch. Mount Cook direkt kann man nicht besteigen, aber es gibt einen anderen Berg von dem aus man dann rüberschauen kann. Ich folge Lorenzo etwas später und treffe ihn dann nach den 2200 Stufen beim Aussichtspunkt. Von hier könnte man noch über einen Track hoch zur Müller Hütte. Lorenzo bleibt allerdings lieber hier um noch etwas die Sonne zu genießen und ein Buch zu lesen. Genau in dem Moment kommt Victor die Stufen hochgestapft. Er ist zur einen Hälfte Engländer, zur anderen Deutscher, wohnt abwechseld in London und Dubai und kämpft sich jetzt hier durch Neuseeland Tracks. Ich trenne mich also von Lorenzo und folge Victor, der mit ordentlichem Tempo den Berg hochmaschiert. Er hat schon einige Sieben- und Achttages-Tracks hinter sich und ist dementsprechend etwas fitter als ich. Ich schaffe es aber trotzdem irgendwie an seinen Fersen zu bleiben. Der Track ist sehr interessant, da es kein typischer Wanderweg ist. Stattdessen geht es sehr viel über große Felsen und auf dem Weg nach oben gibt es auch ein paar Stellen an denen man ein kleines bisschen klettern muss. Oben angekommen haben wir einen super Blick auf Mount Cook und die umliegenden Gletscher und gönnen uns erstmal eine Pause. Danach noch ein paar Beweisfotos vor Mount Cook bevor es wieder runter geht. Victor lasse ich beim Aussichtspunkt zurück, da er dort vorher nur ganz kurz gestoppt hat und ich noch heute wieder weiter will. Bis ich alo die 2200 Stufen wieder unten bin und mein Zeug zusammen gepackt habe ist es schon wieder Sechs Uhr. Ich laufe trotzdem los. Nach der Wanderung bin ich nun irgendwie drin und fühle mich also könnte ich die ganze Nacht durchlaufen. Es sind allerdings auch wieder 65 Kilometer aus dem Tal raus und mein Knöchel fängt auf einmal an zu schmerzen. Ich laufe trotzdem weiter, da ich die Chance vor dem Campingplatz mitgenommen zu werden gering einschätze. Nach drei Kilometern komme ich wieder auf die Straße zurück, die auch zum Mount Cook Dorf führt und nach ein paar Metern mehr werde ich doch noch aufgegabelt. Drei Deutsche räumen ihr halbes Auto um, damit ich noch irgendwie reinpasse. Der Fußraum ist komplett voll und mein Rucksack liegt irgendwie quer auf mir. Nach einer Minute schläft mein Fuß ein, daher bin ich froh, dass wir schon bald einen Fotostopp machen. Danach nehmen sie mich noch bis zum Ende der Straße mit, biegen allerdings dann rechts nach Twizel ab. Ich will noch ein paar Fotos vom Mount Cook machen bevor das letzte Licht verschwindet, also setze ich an den Rand des Parkplatzes auf den Boden und montiere meine Kamera mit meiner großen Linse auf dem Stativ. Als ich meinen Polfilter aufschrauben will rutscht mir dieser aus der Hand und der Versuch ihn aufzufangen endet darin, dass ich meinem Stativ einen leichten Stoß gebe, welches natürlich nach vorne kippt. Den Filter hab ich trotzdem nicht fangen können und daher liegt jetzt beides auf dem Boden. Ich habe aber noch einigermaßen Glück und die Linsen sind nicht beschädigt, dafür hat das Gehäuse jetzt beim Gewinde vorne eine Delle. Das wars dann wohl erstmal mit Filtern aufschrauben! Etwas genervt über mich selbst packe ich zusammen und laufe noch etwas weiter, wo ich dann einen netten Punkt um mein Zelt aufzuschlagen finde. Es stehen schon einige Wohnmobile rum, ich bin mir aber trotzdem nicht sicher, ob man hier campen darf, daher baue ich das Zelt etwas abseits am Berg und von ein bisschen Gras geschützt auf. Gesehen hätte mich man wohl trotzdem und geschlafen habe ich auch schon besser, da ich die ganze Zeit mit meiner Isomatte den Berg runter gerutscht bin, bis mich das Zeltende aufgefangen hat. Vielleicht lerne ich ja diesmal was daraus!


























