Am Campingplatz angekommen schlag ich mein Zelt auf und lauf erstmal in den nahegelegenen Supermarkt um mir etwas zu Essen zu kaufen. Zurück in der Küche des Campingplatzes schauen mir ein paar Deutsche über die Schulter. Ich hör “Lecker” und ein “I like it”, das zu mir gerichtet war. “Ich auch”, mein ich und bekomme die verblüffende Antwort “Nanu, ein Deutscher!”. Wie ein Deutscher? Hier sind doch überall Deutsche! Fast mehr Deutsche als Neuseeländer, aber das ist den zwei Damen und zwei Herren wohl noch nicht aufgefallen.
Nach dem Essen geht es wieder zum Infocenter um zu erfahren, was man hier so machen kann. Viel anbieten können sie mir allerdings nicht. “Milford?”, da war ich schon. Dann bleiben also nur die Glühwürmchen Höhlen oder der Kepler Track. Da mir die Höhlen irgendwie recht touristisch aussahen, man keine Bilder machen darf und die Fähre auch wieder 75 Dollar kostet, entscheide ich mich für die sportlichere Variante: Tagestour auf dem Keplertrack. Am Abend renn ich dann noch mehrere Male durch den Ort. Einmal zum Supermarkt für Abendessen und Frühstück, einmal gibts einen Milchshake und einmal nochmal zum schon geschlossenen Infocenter. Danach werden in der Lounge des Campingplatzes noch Laptop und Handy aufgeladen, während ich die Bilder von meiner Kamera auf den Computer importiere.
In der Nacht schlaf ich nicht so gut. Ich wach oft auf und schlaf dann weiter, da direkt nebenan die Hauptstraße vorbeigeht. Irgendwann steh ich dann auf, da ich ja auf den Kepler Track wollte. Ich dachte es wäre schon fast zu spät dazu,dreh mich um und schau an meine Zeltdecke. Von der Sonne wurde ich definitiv nicht geweckt. Toll auch noch schlechtes Wetter! Doch als ich das Zelt öffne fällt mir auf, dass gerade erst Sonnenaufgang ist, also der ganze Tag noch vor mir liegt. Ich steh auf, frühstücke ein Stück Baguette und mach aus dem Rest mein Vesper für den Track. Sieben bis Acht Stunden sollen es vom Beginn bis zur ersten Hütte und zurück sein. Dazu kommen die fünf Kilometer Fußweg bis zum Anfang des Tracks. Also neun bis zehn Stunden. Ich laufe recht zügig los, schließlich möchte ich nur ungern im dunkeln zurücklaufen und da ich nur mein Vesper, eine Flasche Wasser und meine Kamera im Gepäck habe geht das auch recht gut. Nach einer Stunde komm ich am Anfang des Tracks an. Von dort sind es laut Schild eineinhalb Stunden bis zur Brod Bay. Ich ziehe etwas ein Drittel ab. Erstens weils die Touri-Zeiten sind und zweitens, weil es für Leute mit Rucksack ausgelegt ist.
Bis zur Brod Bay ist es etwas weniger als eine Stunde. Der Weg ist recht flach und geht nur ab und zu auf und ab. Alles durch den Wald. Über mir hör ich immer wieder jede Menge Vögel und die Bäume, die wie eine alte Tür knarzen, wenn sie vom leichten Wind bewegt werden. Ab der Brod Bay geht es dann langsam bergauf. Ich möchte nicht nur zu der Hütte, wie mir vorgeschlagen wurde, sondern ganz hoch bis zum Gipfel, der etwas hinter den Hütten liegt. 1 200 Höhenmeter liegen vor mir. Nach einiger Zeit erreich ich auch schon die Baumgrenze auf ca. 1 000 m über NN. Dort genieß ich dann die Aussicht und nehm eine kleine Stärkung zu mir. Allerdings nicht lang, denn ich möchte ja weiter zum Gipfel. Von dort an geht es wieder etwas bergab zu der Hütte und dann ganz nach oben zum Gipfel. Der Gipfel liegt etwas abseits vom Kepler Track, allerdings nur zehn Minuten. Oben auf fast 1 5000 Metern angekommen mach ich dann Pause. Ich genieß mein Vesper und die Aussicht und nehm ein paar Beweisfotos (ein ist ja schon im facebook :P). Viereinhalb Stunden waren es bis hier hoch. 22 Kilometer und 1 200 Höhenmeter. Und das musste ich jetzt wieder runter. Ich hoffe, dass ich etwas schneller bin.
Auf dem Weg zwischen Gipfel und Hütte kommen mir ein paar Hüttenbesucher entgegen und fragen mich, wie weit es noch ist. Nach der Hütte treffe ich viele Wanderer mit Rucksack wieder, die ich davor alle überholt habe. Das Stück durch den Wald kommt mir dann aber ewig vor. Meine Füße fangen an zu schmerzen und ich merke, dass ich hinten Blasen bekomme. Bergab ist halt irgendwie doch nicht einfacher als bergauf. Irgendwann spür ich dann auf mein rechtes Knie und ich bin mir als froh, als ich endlich am Ende ankomme. Von hier ist es allerdings immer noch eine Stunde bis nach Te Anau, aber immerhin mal wieder ein Anhaltspunkt. Ich bin mehr als glücklich, als ich dann am Campingplatz ankomme. Erstmal auf den Schuhen raus und eine Dusche nehmen. Danach wieder ein paar Fotos auf den Computer kopieren und danach ab ins Bett.
Am nächsten Morgen steh ich in aller Ruhe auf, frühstücke, pack alles zusammen, und frag an der Rezeption nochmal nasch, welche Straße wohl besser ist um nach Invercargill zu trampen. Danach mach ich mich auf zum Ortausgang. Dort wartet allerdings schon ein anderer Tramper. Gerade als ich ankomme hält jemand an. Er hat aber nur Platz für einen. Ich meine zum anderen noch: “Mal schauen, wer zuerst in Invercargill ankommt” und ich warte dann auf den nächsten. Nach kurzer Zeit werde ich auch schon aufgegabelt. Natürlich von einem Deutschen. Wir unterhalten und viel und so kommen wir auch schon bald in Mossburn an, wo er mich absetzt. Er möchte nämnlich weiter nach Queenstown. In Mossburn gibt es nicht viel. Ein kleines Nest halt mal wieder. Ich warte am Ortsausgang, kurz vor mir geht die Straße nach Queenstown ab und da fahren leider auch die meisten hin.
Nach einer Stunde werde ich dann doch mitgenommen. Robin, eine nette Dame aus neuseeland hält mit ihrem kleinen Suzuki Swift an. Sie fährt bis nach Invercargill. Perfekt! Wir unterhalten uns während der Fahrt. Sie erzählt mir, dass sie normalerweise keine Tramper mitnimmt, aber heute war irgendwie ein schöner Tag. Glück für mich! In Winston halten wir an und sie lädt mich sogar zu einem Kaffee ein. Am Ortsausgang treffen wir dann sogar wieder auf den anderen Tramper, den ich schon in Te Anau getroffen hab. Von dort geht es dann weiter nach Invercargill. Sie erklärt das, an dem wir vorbeifahren immer etwas. Danach fährt sie mich sogar noch zum Infocenter und von dort zum Campingplatz und wollte sogar noch ihre Nummer da lassen, falls ich irgendwie Hilfe brauche. Ich bedanke mich und als sie wusste, dass ich hier bleiben werde fährt sie dann doch wieder nach Hause. Der Campingplatz ist recht zentral etwas günstiger als die anderen, aber trotzdem recht gemütlich und wird von einem älteren Ehepaar geführt.

