Donnerstagmorgen geht es dann also zum Caples Track. Davor aber erstmal Zelt zusammenpackenn, von den Mädels verabschieden und eine Mitfahrgelegenheit finden. Der Caples Track liegt nämlich auf der anderen Seite des Sees und dazu muss ich erstmal im Norden außenrum, was ca. 80 km sind. Ich warte nicht lange am Ortsausgang von Queenstown mitnehmen. Zwei Isrealis, die in der Nähe von Glenorchy eine Wandertour machen wollen. Ich komm also schonmal bis Glenorchy. Dort stell ich mich dann an die Abzweigung zu den Tracks. Wenige Minuten später kommt ein Mädchen aus Belgien dazu, das zum Routeburn Track möchte, der etwas nördlicher liegt. Wir warten also zusammen auf eine Mitfahrgelegenheit. Und obwohl hier nur noch wenige Autos durchfahren müssen wir auch hier nicht so lange warten bis wir beide mitgenommen werden. Nach etwas weniger als 20 km geht es dann ab zum Routeburn, mein Caples Track liegt aber weiter im Süden, also muss ich hier wieder raus. Hier warte ich dann. Ein Auto kommt vorbei, ist aber leider schon voll. Irgendwann hab ich keine Lust mehr zu warten. Da hier wirklich nichts mehr vorbeikommt und entschließe mich weiter zu laufen. Der Track ist aber noch ein gutes Stück entfernt, also könnte ich frühstens morgen starten. Die geteerte Straße hört hier auf. Es folgt eine Schotterstraße runter nach Kinloch (ca. 10 km). Kurz nachdem ich losgelaufen bin, hör ich ein Auto hinter mir. Ich versuch mein Glück und es hält tatsächlich an. Die Beiden wollen auch zum Caples Track. Sie haben zwar nur zwei Sitzplätze, ich darf aber hinten auf die Ladefläche hüpfen.
Als ich dann beim Caples Track ankomme ist es schon etwas spät. Halb zwei und ich hab noch über 15 km vor mir. Anfang nehm ich mir noch etwas Zeit um ein paar Fotos zu machen, ich pack die Kamera dann aber auch bald Weg, da ich ja noch voran kommen will. Am Anfang des Tracks waren die Zeichen erklärt. Orange markiert den Track, blau einen Trap Track (also wohl zu irgendeiner Falle). Da ich aber auf dem ersten Kilometer nur blaue Zeichen sehe werde ich unsicher, setz meinen Rucksack ab und lauf alles nochmal zurück um sicher zu gehen, dass ich keine Abzweigung verpasst habe. Das war natürlich umsonst, denn ich war auf dem richtigen Weg. Es ging also weiter. Meist durch den Wald immer ein paar Meter hoch, dann wieder runter, ab und zu auch über die Weidefläche. Ich Tollpatsch stolper anfangs bestimmt alle zehn Meter. Meistens kann ich mich fangen, manchmal zieht mich aber auch der Rucksack zu Boden. Der Pfad hält sich immer schön an den Fluss, der den Berg runterkommt. Nach drei Stunden komme ich bei der Unteren Caples Hütte an. Hier mache ich dann kurz Pause, zieh meine Schuhe kurz aus, esse etwas Brot und fülle mein Wasser auf. Lange pausieren kann ich aber nicht. Da schon fünf Uhr war und die Wegzeit zur oberen Hütte mit zweieinhalb Stunden angegeben war. Es geht also weiter. Anfangs wieder über offene Fläche, den Rest dann durch den Wald. Immer wieder geht der wurzelige und felsige Wanderweg mal steil bergauf, dann wieder runter. Manchmal muss ich kleine Bäche durchqueren. Auf dem ganzen Weg kamen mir fünf Personen entgegen, alle auf dem Weg zur Unteren Hütte. Ich bin froh, als ich nach zweineinhalb weiteren Stunden bei der Oberen Hütte ankomme. Nur eine einzige Person übernachtet dort. Ein Franzose, der gerade vom Routeburn kam und jetzt den Caples auf dem Rückweg macht. Er hat eigentlich schon mit niemandem mehr gerechnet, da es schon spät ist. Er erklärt mich kurz, dass es kein fließendes Wasser mehr gibt und er deshalb ein bisschen was aus dem Fluss geholt hat. Wir unterhalten uns etwas und nach einer kleinen Pause mach ich mir dann Spaghetti und geh direkt danach kaputt ins Bett.
Geschlafen habe ich schon besser. Dafür lange genug. Von neun bis um halb acht. Kurz nachdem ich aufstehe macht sich der Franzose schon wieder auf den Weg, da er unten um zwölf vom Bus abgeholt wird. Ich esse etwas Brot zum Frühstück und mache mich dann auch gegen acht auf den Weg. Diesmal ist der Weg steiler. Es geht zum Mc Kellar Saddle hoch, der auf 950 Metern liegt. Also ca. 500 Höhenmeter für mich heute (plus das Hoch-Und-Runter des Weges). Kurz nach dem Start höre ich es zweimal laut Poltern. Ich hoffe doch mal, dass kein Gewitter aufzieht. Am Morgen sah es auf jeden Fall nicht danach aus. Auf dem Weg kommt mir ein Ranger des DOC entegegen, der sich um das Wasserproblem auf der Hütte kümmern will. Außerdem treffe ich auf drei Arbeiter, die einen neuen Weg bauen, da er alte nicht mehr begehbar war. Da kam auch das Poltern her, da sie felsen aus dem Weg sprengen mussten. Auf dem steilen Weg nach oben muss ich immer wieder anhalten. Jeder Meter mit meinem schweren Gepäck ist eine Qual. Ich bin froh, als ich nach einiger Zeit Licht am Ende des Waldes sah. Danach noch etwas über eine offene Fläche und ich war am Mc Kellar Saddle. Endlich! Meine Fersen beschweren sich schon seit einiger Zeit und jetzt geht es nur noch runter. Dafür allerdings recht steil, wie mir der Franzose schon mitteilte, was dann ziemlich in die Knie und immernoch auf die Füße geht. Zumal liegt recht viel großer Schotter auf dem Weg, was das Laufen erschwert. Auf dem Weg nahc unten kommt mir nur eine Person entgegen. Ich bin sehr erleichtert, als ich endlich unten war, hatte aber wohl vergessen, dass das noch nicht das Ende war. Schließlich muss ich von hier noch zum Parkplatz kommen. Ich komm an eine Abzweigung. Links Mc Kellar Hut, rechts Howden Hut. Ich muss zu “The Divide”. Das ist allerdings nicht angeschrieben, aber ich meine mich zu entsinnen, dass es in Richtung der Howden Hut ist. Bis dorthin vergeht eine weitere Stunde und ich bin froh, als ich ankomme um nochmal kurz Pause zumachen. Die Howden Hut ist Teil des Routeburn Track, den man im Voraus buchen muss, da er so beliebt ist (wie auch den Milford und den Kepler Track). Dementsprechend ist hier einiges los. Ich bin irgendwie schon froh, dass ich den Caples Track gemacht habe, da das wohl bisher der einzige Ort in Neuseeland war, an dem ich keinen Deutschen getroffen habe. Von der Howden Hut ist es dann noch eine weitere Stunden bis zu “The Divide”. Es geht erst eine Viertelstunde bergauf und dann wieder runter. Hier kommen mir jede Menge Menschen entgegen, die entweder auf dem Weg zum Routeburn Track sind oder einen kleinen Ausflug zum Key Summit Gipfel machen.
Unten angekommen bin ich erleichtert und zieh mir erstmal andere Schuhe an. Dann mach ich mich sofort auf die Suche nach einer geeigneten Stelle zum Trampen. Viel Auswahl gibts hier allerdings nicht, da sich die Straße durch die Berge windet. Ich bleibe also direkt in der Nähe des Parkplatzes, da gegenüber noch ein bisschen Platz zum Anhalten ist. Ich bin spät dran. Es ist Nachmittag und es kommen nicht mehr so viele Autos die Straße hoch. Die meistens sind schon wieder auf dem Heimweg. Dennoch finde ich nach einer Stunde eine Mitfahrgelegenheit. Eine Tschechin hält mitten auf der Straße an und nimmt mich mit. Bis nach Milford sind es noch 36 km, dennoch brauchen wir lange, da die Straße sehr kurvig ist und ihr Camper nicht gerade viel Power unter der Haube hat. Nach der Hälfte des Weges geht es dann durch den Homer Tunnel, der erste Tunnel, den ich in Neuseeland bisher gesehen habe. Milford ist von hohen Bergen eingeschlossen und bis 1991 war es nur Möglich über den Milford Track oder den Seeweg nach Milford zu kommen. Als wir dann in Milford ankommen, bin ich erstmal enttäuscht. Ich hatte ein kleines Örtchen erwartet, wie ich sie von der Westküste kannte. Aber hier gab es wirklich NICHTS. Ein reiner Touristenort. Eine Restaurant-Cafe-Bar, einen kleinen Flughafen, einen Hafen und zwei Lodges. Eine Lodge sieht etwas teurer aus, also entscheide ich mich wieder 20 Minuten die Straße hochzulaufen um zur anderen zu kommen, die auch Zeltplätze anbietet. Im ersten Moment wollte ich hier am liebsten sofort wieder Weg. Nachdem mein Zelt steht entspann ich mich etwas, dusche erstmal, mach mir eine Suppe und lauf wieder rein nach Milford um mich etwas umzuschauen. Das Wetter ist aber nicht gut. Eine graue Pampe, weswegen ich auch keine Fotos mache. Ich erkundige mich über die Bootstouren. Es ist anscheinend klein Problem morgens auch kurzfristig noch einen Platz zu bekommen, da die ganzen Touribusse erst gegen Mittag ankommen, also warte ich das Wetter am nächsten Tag ab.
Da das Wetter sich nicht geändert hat, entscheide ich mich gegen die Bootstour und noch einen Tag abzuwarten. Es fängt an zu regnen. Ich entscheide mich rauszugehen um vielleicht ein paar Fotos zu machen. Der Regen bleibt nicht lange, was eigentlich schon fast schade ist, da sich Milford bei Regen in ein Paradies aus Wasserfällen verwandelt. Nach einer kleinen Tour geh ich zurück zur Lodge und wasch erstmal meine Wäsche. Das Zelt dient hier nämlich nur als Schlafplatz, ansonsten kann ich alle Einrichtungen nutzen: Küche, Aufenthaltsraum, Waschküche. Praktisch ist hier der Trockenraum, in dem es warm und trocken ist, damit die Wäsche schneller trocknet. Bis zum Abend werde ich vielleicht noch ein paar Fotos bearbeiten und mir noch Etwas zum Abendessen machen, in der Hoffnung, dass morgen besseres Wetter ist und ich auf meine Bootstour kann, damit ich danach auch wieder Richtung Süden aufbrechen kann.
Bilder folgen, wenn ich wieder gescheites WLAN habe, da ich mir hier nur einen 10 MB Zugang gekauft habe.











