07 – Catlins

Von Invercargill geht es dann weiter zum nächsten Örtchen Fortrose. Wir unterhalten uns. Auf einmal hält sie mitten in der Pampa an um auf ihrem Handy nachzuschauen, ob wir schon an Fortrose vorbei sind. Danach geht es weiter. Sie fährt etwas komisch. Manchmal richtig schnell und auf einmal schleicht sie wieder durch die Gegend. Zwischendurch der ein oder andere Zwischenstopp. Sie erzählt mir, dass sie ganz viel Zeit hat und deshalb alles in Ruhe ansehen will. Ich hatte eigentlich geplant mir nur Curio Bay und den Nugget Point anzuschauen, da ich sonst jedes Mal eine neue Mitfahrgelegenheit finden hätte müssen, aber so bleibe ich einfach bei ihr. Perfekt! Es geht also erstmal zum Waipapa Point, wo ein Leuchtturm steht, um an die Opfer des größten neuseeländischen Schiffsunglücks zu gedenken und um so etwas in Zukunft zu vermeiden. Hier findet man am Strand auch einige Seelöwen und kann auch richtig nah dran und zwischen ihnen durch laufen. Nur zehn Meter Abstand und den Fluchtweg zum Meer soll man nicht blockieren. Ich näher mich ein paar Seelöwen vorsichtig und knipse einige Fotos, dann noch ein paar vom Leuchtturm – schade, dass wir nicht bei Sonnenuntergang hier waren – und laufe dann zurück zum Auto, da ich Aeta – so hieß die Chinesin – nicht mehr gesehen hatte, da sie irgendeinen Rundkurs gelaufen ist und ich sie nicht zu lange warten lassen wollte. Sie hat dann allerdings doch etwas länger gebraucht als ich und ist dann nochmal kurz zum Leuchtturm. Ich hab also noch kurz gewartet.

Vom Waipapa Point geht es dann mit dem Auto weiter. Ein Stück ins Landesinnere und dann wieder zurück an die Küste zum Slope Point, dem südlichsten Punkt der Südinsel. Auf dem zehnminütigen Weg zu den Klippen treffe ich Camille wieder, mit der ich schon bis zur Routeburn-Kreuzung getrampt bin, und die ich auch in Milford wieder kurz gesehen habe. Wir unterhalten uns aber nicht lange, da sie mit jemand anderem unterwegs ist und wir gerade bei einem Pärchen stehen, das Aeta schonmal getroffen hat. Kurze Zeit später sind wir dann bei den Klippen, die ganz nett ausschauen, ansonsten ist die einzige Attraktion hier allerdings das Schild, das einem sagt, dass man am südlichsten Punkt der Südinsel ist. Wir machen also jeder ein Foto vom anderen davor und hauen wieder ab. Ihr Auto ist nicht mehr das beste und sie meint, seit sie das letzte Mal in der Werkstatt war wurde es nur schlimmer. Bevor es los geht füllt sie nochmal etwas Öl nach. Auf dem Weg nach oben quietscht der rechte Vorderreifen. Es hört sich an, als ob ein Kiselstein irgendwo feststeckt, wir können das Problem allerdings nicht lösen. Sie versucht es also mit hektischen Lenkbewegungen nahc links und rechts. Das bringt allerdings auch nur ganz kurz was. Auf dem Weg bergab ist sie so mit der Lösung des Problems beschäftigt, dass sie viel zu schnell in die Kurve fährt. Sie versucht noch zu bremsen verliert dadurch aber auch dem Kieselweg die Kontrolle. Wir schleudern etwas und bleiben dann links in einer aufgehäuften Gras-Dreck-Wand hängen. Wir hatten Glück! Durch die Wand sind wir nämlich nicht irgendwo den Berg runtergefahren. Wir steigen beide aus und begutachten das Auto. Wir waren zum Glück nicht mehr so schnell und die Wand war recht weich, das Auto hat also nur sehr wenig darunter gelitten. Wir zum Glück gar nicht. Also ging es danach weiter. Sie wollte bei einem Farmstay – also einem Bauernhof, der auch Zeltplätze oder kleine Zimmer anbietet – auf dem Weg vom Slope Point zurück zur geteerten Straße übernachten, da es dort anscheinend sehr günstig sein soll. Ich wollte allerdings unbedingt heute noch zur Curio Bay. Es war immerhin erst kurz nach fünf und ich war nicht so begeistern mitten in der Pampa zu bleiben. Das wären allerdings wieder zehn Kilometer Fußmarsch gewesen. Und Curio Bay ist immernoch in der Pampa, also bräuchte ich dort wieder eine Mitfahrgelegenheit und da sie morgen sowieso dorthin wollte entscheide ich mich bei ihr zu bleiben. Ich schaffe es dann aber doch noch sie zu überreden auf dem Campingplatz in Curio Bay zu übernachten, da es doch nicht so günstig wie erwartet war und ich ihr ein schönes Foto vom Campingplatz aus meinem Prospekt gezeigt habe.

In Curio Bay angekommen erklärt uns der Campingplatzwart erstmal, dass es nebenan oft Pinguine zu sehen gibt und man sie am besten gegen sieben Uhr sehen kann. Den Platz können wir uns frei wählen. Die Entscheidung fällt aber gar nicht so leicht, da es hier super schön zum campen ist. Nach bestimmt einer dreiviertel Stunde haben wir uns dann für ein Plätzchen entschieden. Ich ein bisschen weiter oben als sie, da ich für eine etwas schönere Aussicht ein leichtes Gefälle in Kauf nehme. Ist ja nur für eine Nacht und was macht man nicht alles für ein Foto, dass alle Daheimgebliebenen neidisch machen könnte 😛 Viel Zeit haben wir allerdings nicht mehr, da es schon sieben war. Wir entscheiden und also die Zelte später aufzubauen und schieben uns noch schnell ein paar Scheiben Brot in den Mund. Danach laufen wir zu den Pinguinen. Die Treppe zum Strand ist nur ein paar hundert Meter vom Campingplatz entfernt. Ich gehe mit flotten Schritten voran, da die Sonne schon untergeht und das Licht schwindet, warte dann aber immer wieder auf sie. Beim Pinguinplatz dann angekommen musste ich ernüchternd feststellen, dass der einzige Pinguin, den man sehen konnte recht weit weg war und ich keine schönen Fotos machen konnte, da der Bereich in dem man sich annähern durfte durch eine gelbe Linie begrenzt war. Eine Mädchen neben mir staunt, dass ich mit meinem riesigen Objektiv nicht näher ran komme. “Das Teil ist es definitiv nicht wert. Selbst der da drüben kommt näher ran”, meint sie und zeigt auf einen Mann mit einer etwas besseren Kompaktkamera. Klar mit 1000-fachen digitalen Zoom kann ich das auch. Ich muss mir allerdings eingestehen, dass die Bilder gar nicht so schlecht aussehen. Etwas deprimiert bin ich schon fast wieder auf dem Weg zurück zum Campingplatz als ein Pärchen mich fragt, ob ich denn den Pinguin auf der rechten Seite gesehen habe. Wie noch einer? Ich also wieder runter. Tatsächlich! Und auf dieser Seite ist keine gelbe Linie, ich darf also bis zehn Meter ran. Ich kletter also etwas die Felsen runter und laufe rechts an den Klippen in einem Bogen ums Wasser rum, auf die andere Seite und näher mich langsam und vorsichtig an. Am meisten Angst hatte ich, dass er vor mir wegrennt und ich erstmal Ärger von den bestimmt 30-50 Zuschauern bekomme, die alle geduldig auf der anderen Seite warten. Nach einer halben Stunde bin ich dann ungefähr fünfzehn Meter neben ihm. Weiter trau ich mich nicht. Vor Allem, weil ich mit meiner Signalorangenen Jacke nicht gerade unauffällig bin. Ich wollte sie schon ausziehen aber das feuerwehrrote T-Shirt ist da auch nicht besser. Von der anderen Seite werde ich schon von einer Frau angeschrien, dass ich wieder zurück soll. Das interessiert mich allerdings recht wenig, da ich mich an alle Regeln halte und immer noch über zehn Meter Abstand habe. Auf einmal bewegt sich der Pinguin wieder und ich habe schon Angst, dass er abhaut. Aber ich habe Glück und er kommt sogar noch etwas näher zu mir. Ich mache etliche Fotos bis es die Dunkelheit es nicht mehr zulässt, beobachte ihn noch so einige Zeit und mache mich dann auf den Rückweg. Auf der anderen Seite werde ich von einem älteren Mann angesprochen. Wir unterhalten uns etwas, ich zeige ihm ein paar der Fotos und werde gefragt, ob ich ihm eins zuschicken kann. Am Campingplatz wird dann erstmal mit der Taschenlampe – doof, dass ich keine Stirnlampe habe – das Zelt aufgebaut. Eigentlich wollte ich noch ein paar Fotos in der Nacht machen, aber es war leider nicht mehr so klar. Ich wollte es am nächsten Morgen nochmal vor und zum Sonnenaufgang versuchen, stell mir den Wecker auf 6 Uhr. Allerdings sieht es am nächsten Tag noch grauer aus.

Nach dem Frühstück beobachte ich noch etwas das Meer bis Aeta bereit ist, da man hier ab und zu im Sommer auch Delphine sehen kann. Anscheinend haben am Morgen ein paar Gäste welche gesehen, ich hab allerdings kein Glück. Von Curio Bay geht es weiter zu den Mc Lean Fällen. Kurz nach dem Campingplatz picken wir André auf. Ein französischer Backpacker, der nur mit einem Tagerucksack unterwegs ist und nur mit einem Schlafsack im Busch schläft. Das hat mich schon ein wenig fasziniert, da ich mit meinem fetten Rucksack etwas mehr zu schleppen habe. Kurze Zeit später müssen wir wieder anhalten, da irgendetwas komische Geräusche macht und das Auto extrem stinkt. Ein Plastikteil, das die Karosserie vorne unten abschließt, hat sich als Spätfolge unseres Crashes am Vortag gelöst und schliff am Reifen. Ich versuche es mit meinem Panzertape zu fixieren und somit geht es auch bald wieder weiter. Auf dem Weg halten wir bei den Niagara Fällen an. Ein kleiner neuseeländischer Scherz, da es sich dabei nur um eine kleine Stufe in einem Bach handelt. Es lag immerhin auf dem Weg. Von dort geht es dann weiter zu den Mc Lean Fällen die etwas abseits der Straße, dafür aber um einiges größer und schöner sind. Etwas später halten wir auch schon wieder bei einem kleinen See an. Aeta hat mal wieder so gut wie alles auf dem Weg angekreuzt, das sie gerne sehen möchte. André möchte etwas schneller vorankommen und ich bin auch schon wieder am überlegen, ob ich nicht auch weiter soll, allerdings entscheide ich mich dann doch bei ihr zu bleiben. Die Gemütlichkeit, in der sie sich alles anschaut tut mir ganz gut und ich habe jede Menge Zeit. Der See war nicht sehr spektakulär und deshalb sind wir auch eine halbe Stunde später wieder auf der Straße nach Papatowai. André hat anscheinend schon wieder eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Er war auf jeden Fall nicht mehr auf der Straße. Wir wollten uns noch die Kathedralen Höhlen anschauen, allerdings kann man die erst abends bei Ebbe betreten, daher beschließen wir uns schonmal den Campingplatz in Papatowai anzuschauen. Wir bauen allerdings noch kein Zelt auf, sondern machen nur Pause um flexibel zu bleiben. Ich geh in der Zwischenzeit eine Runde joggen, treffe am Ende noch zwei Radler, die ich schon in Curio Bay gesehen habe und auf der Suche nach einer Dusche waren. Auf dem Campingplatz gibt es allerdings keine, da es ein recht einfacher vom DOC war. Ich biete ihnen also meine Wassersackdusche an, nachdem ich mit duschen fertig war, von der sie total begeistert sind, auch wenn es etwas kalt war.

Nach der Dusche gehe ich noch schnell ins Motel vor dem Campingplatz, das einen kleinen Grocery Store hatte und kaufe mir Spaghetti um den Vorrat aufzufüllen und eine Meat Pie als Mittagessen. Danach geht es zurück zu den Cathedral Caves, mit denen wir dann allerdings auch nach einer Stunde fertig sind, also entschließen wir uns noch zu den nächsten Wasserfällen zu fahren und einen anderen Campingplatz an der Purakaunui Bay aufzusuchen. Auf dem Weg von den Fällen zum Campingplatz hält sie mal wieder mitten auf der Straße an, da sie sich nicht sicher ist, ob wir noch richtig sind. Es ging allerdings keine Straße ab. Sie schaut wieder auf ihr Handy und möchte umdrehen. Ich vergleiche es nochmal mit der Karte und sag ihr, dass sie weiter fahren soll, da wir noch richtig sind. Sie glaubt mir dieses Mal und somit kommen wir nach einiger Zeit doch noch zur Abzweigung zum Campingplatz. Ab Campingplatz schlagen wir dann unsere Zelte auf und kochen zusammen Nudeln. Danach geht es ins Bett.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Das einzige Ziel, dass noch auf unserer Liste steht ist der Nugget Point. Auf dem Weg dorthin schaut Aeta sich noch eine Jugenherberge in Owaka an, da sie hierher zurückkommen wollte um dort zu übernachten. Die schaut allerdings nicht so einladend aus und somit verwirft sie den Plan wieder. Es geht weiter zum Nugget Point, der nach den Felsen im Meer, die wie Goldnuggets aussehen, benannt ist. Wir halten davor nochmal bei einem Pinguinversteck, sind dafür allerdings zu früh und wollen nicht so lange warten, da das Wetter nicht so toll ist. Am Nugget Point laufen wir dann zum Leuchtturm. Auf dem Weg dorthin kommt uns eine Gruppe entgegen, die auf einmal anhaltet, da jemand unten bei den Felsen einen Pinguin entdeckt. Ich frage ein Mädchen der Gruppe, ob sie schon in Curio Bay waren, da man die Pinguine dort sehr gut sehen kann und wir unterhalten uns ein bisschen, bevor sie wieder zurück zum Auto müssen. Wir laufen dann das letzte Stück zum Leuchtturm, machen ein paar Fotos und uns dann wieder auf den Weg zum Auto. Als ich mich auf den Rücksitz setze sehe ich einen komischen Zettel hinter dem Scheibenwischer kleben und bin etwas verwirrt darüber. Ich steig also wieder aus um mir das Ding anzuschauen. Es war eine Nachricht von dem Mädchen, dass ich anrufen soll, wenn ich in Dunedin ankomme. Ich freue mich wirklich extrem darüber. Jetzt kenne ich schon zwei Personen in Dunedin.

Vom Nugget Point geht es dann weiter nach Balclutha. Dort setzt Aeta mich dann ab, da sie heute noch weiter in Richtung Queenstown will, um nach dem Wochenende ihr Auto zu reparieren. Ich suche den Zeltplatz, geh im Supermarkt etwas einkaufen und werde auf dem Rückweg von einem Mann angesprochen, der Früchte aus seinem Auto verkauft. Wir unterhalten uns etwas und er schenkt mir eine Tüte Kirschen. Er kommt eigentlich aus Vietnam und und ist dort Lektor an der Universität, möchte aber lieber in Neuseeland leben und seine Kinder hier aufziehen und macht deshalb diesen Job. Bevor er wieder nach Hause fährt kaufe ich ihm noch ein paar Pflaumen ab und wünsche ihm alles Gute. Ich hole davor allerdings noch schnell meine Kamera, da ich unbedingt ein Foto von ihm wollte. Danach bring ich meine Einkäufe zum Zelt und geh erstmal eine Runde joggen. Da ich etwas mehr eingekauft habe gibt es seit langem mal wieder Reis mit süß-saurer Soße, den es am morgen auch zum Frühstück gibt, weil so viel übrig war.

Am nächten Tag möchte ich dann weiter nach Dunedin. Mein Zelt muss ich leider nass einpacken, da ich es geschafft habe es so aufzustellen, dass es an beiden Enden noch genau 20 Zentimeter im Schatten steht. Danach geht es erstmal fast eine Dreiviertelstunde zum anderen Ortsausgang von wo ich nach Dunedin weiter will. Ich denke nicht, dass ich lange warten muss, da hier viel Verkehr durchgeht und behalte recht. Nach wieder einmal weniger als einer halben Stunde hält ein älteres Paar an und ich steige ein. Ab nach Dunedin!

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