Am nächsten Morgen packe frühstücke ich schnell in meinem Zelt und packe es dann zusammen. Danach geh ich am See schnell Zähne putzen und fülle meine Wasserflaschen auf. Die Sonne scheint, es sind kaum Wolken am Himmel und es ist recht warm, daher laufe ich erstmal. Auf dem Weg entscheide ich mich etwas mehr heute zu laufen bevor ich wieder mit Trampen anfange, deshalb nehme ich einen Weg, der länger beim See bleibt und nicht die Hauptstraße. Ich laufe mitten auf der Straße, da ich lange keine Autos vorbeikommen. Ich habe schon das Gefühl, dass die Straße gesperrt ist, da ich davor mal etwas von einer gesperrten Straße gelesen habe, aber es auf eine andere Straße bezogen habe. Dann kommen mir doch mal ein paar Autos entgegen. Zwei Radlerinnen fahren vorbei und kommen dann nochmal zurück um sich kurz zu unterhalten. Irgendwann geht die Straße dann rechts ab, etwas den Berg hoch. Hier kommt dann auch ein wieder ein Schild: Straße in 6 Kilometern gesperrt. Ich möchte aber nicht umdrehen und hoffe einfach mal, dass sich das auf Autos und nicht auch auf Fußgänger bezieht. Nach ein paar weiteren Kilometern mach ich erstmal Pause um mir Mittagessen zu machen. Ich gesell mich zu zwei älteren Paaren, die mit ihren Wohnmobilen auf dem Grünstreifen neben der Straße stehen und fischen. Ich unterhalte mich etwas mit ihnen bis meine Instantnudeln fertig sind und mache mich danach wieder auf den Weg. Es liegt immerhin noch etwa die Hälfte bis zum Haupthighway vor mir. Nach ein paar weiteren Kilometern kommt dann das Tor, das die Straße blockiert. Obwohl der Zugang auch für Fußgänger nicht erlaubt ist gehe ich außenrum. Es ist Samstag, da werden sie in Neuseeland bestimmt nicht an Baustellen arbeiten! Dann geht es erstmal Ewigkeiten die Straße entlange. Ich laufe und laufe und laufe. Weit und breit nichts von einer Baustelle zu sehen und so langsam werden die Füße schwer. Dann komm ich irgendwann um eine Kurve und dort sehe ich dann schon, wie sie in der Ferne an dem Wasserkanal arbeiten, neben dem ich laufe und ein bisschen weiter sehe ich auch schon die ersten, winzigen Autos auf dem Highway. Bis dahin muss ich aber die restlichen zwei Kilometer über groben Schotter zurücklegen. Auf einmal kommt rechts ein Jeep die steile Seite des Kanal hochgeschossen und ich erschrecke mich erstmal ordnetlich. Die Arbeiter winken aber nur und fahren dann weiter. Ich laufe also unbesorgt bis zum Highway, die Brücke über den Kanal und dann erstmal etwas die Straße runter, da man oben an der Brücke nicht anhalten kann. Etwas weiter unten versuche ich es dann mal beim ersten Auto das vorbeikommt. Ein Wohnmobil mit einem älteren Paar drin und sie halten tatsächlich an! Nach 28 Kilometern Fußmarsch also wieder eine Mitfahrgelegenheit. Sie wollen zum Campingplatz am Lake Tekapo und lassen mich dort auch raus. Ich laufe aber wieder zur kleinen Ortschaft hoch und suche mir einen Platz zum Wildcampen etwas außerhalb. Danach schau ich mir noch einen kleinen Teil vom Örtchen an und mache mir Abendessen. Zum Baden habe ich keine Lust mehr, da es schon etwas später ist und ich verschiebe es auf den nächsten Tag. Als die Sonne untergeht gehe ich etwas aus dem Ort raus und breite meine Isomatte hinter einem kleinen Hügel und ein paar Bäumen aus.
Am nächsten Morgen weckt mich das erste Licht. Ich packe zusammen, mein Schlafsack ist dank der Bäume sogar trocken geblieben, und mache mich dann auf den Weg an den See um ein paar Fotos zu machen. Danach packe ich zusammen, da es recht wolkig ist und Wind aufzieht. Auf dem Weg zum Ortsausgang finde ich dann noch die Straße zur historischen Kirche, die ich schon auf Fotos gesehen habe, die ich mir aber nicht mehr anschaue. Am Ortsausgang warte ich dann einige Zeit bis mich ein Niederläner mitnimmt. Er fährt bis nach Christchurch lässt mich aber unterwegs raus, da ich versuchen wollte um Christchurch herum zu kommen. Unterwegs gibt er mir sogar noch einen Kaffee aus. Ich laufe mal wieder die Straße entlang, da ich keine Lust habe hier rum zu stehen und nach einiger Zeit werde ich mitgenommen, allerdings nur bis zur nächsten Ortschaft. Dort finde ich aber recht schnell Anschluss, allerdings wieder nach Christchurch. Es scheint als ob alle Wege nach Christchurch führen also gebe ich auf und fahre mit. Die zwei Männer, die gerade vom Fischen kommen wohnen in der Nähe vom Flughafen und lassen mich dann an einer Stelle raus, wo sie meinen, dass ich gut mitgenommen werden. Doch ich steh mal wieder einige Zeit bis mich ein älterer Mann in seinem winzigen Auto bis zum Stadtende mitnimmt. Dort gibt es erstmal eine Kleinigkeit zu Essen und dann laufe ich die letzten Meter bis kurz vor den Highway. Dort stehen allerdings schon zwei Andere und warten darauf mitgenommen zu werden. Ich unterhalte mich etwas mit dem ersten und laufe dann weiter zum Zweiten, der – wen wundert’s – auch Deutscher ist. Wir versuchen zusammen weiterzutrampen, werden aber trotzdem nicht mitgenommen. Auch etwas weiter hinten oder vorne nicht. Ich würde ja am liebsten bis zum nächsten Örtchen laufen, aber laut meiner Karte führt hier nur der Motorway raus und da darf man nicht drauf laufen. Ich entschließe mich wieder etwas weiter hinten zu warten und wir trennen uns wieder und ich habe Glück. Kurze Zeit später frägt hinter mir ein Mann, der gerade beim Alkoholladen war, ob ich mitfahren will. Er fährt zwar nur zwei Ortschaften weiter, aber immerhin raus aus Christchurch!
Von dort werde ich dann von einem Mann mitgenommen, der mich extra noch eine Ortschaft weiter fährt, da sich da die Straße teilt. Hier warte ich wieder bis mich jemand bis nach Culverden mitnimmt und von dort der nächste bis zur Straße nach Hanmer Springs. Hier laufe ich die ersten Meter, da es nur noch 5 Kilometer sind, werde dann aber doch vom ersten Auto mitgenommen. Im Ort angekommen stell ich meinen Rucksack auf einer Bank im Park ab und laufe ein paar Straßen ab. Die so bekannten heißen Quellen, wegen denen ich hier vorbei wollte, sind leider doch nur wieder eines von vielen Thermalbädern in Neuseeland. Ansonsten ist Hanmer Springs ein nettes kleines Örtchen. Ich mache mir Abendessen und richte mir danach meinen Schlafplatz in einem kleinen Waldstück nahe vom Park.
Am nächsten Morgen breche ich dann nach dem Frühstück Richtung kaikoura auf. Ich habe mich schon wieder mit Laufen angefreundet, da ich recht früh unterwegs bin, werde dann aber doch gleich am Ortsrand aufgegabelt. Das Paar, das sogar mit einem dicken Anhänger unterwegs ist, fährt bis nach Christchurch. Ich lasse mich dann beim Inland Highway absetzen, obwohl sie mich auch bis zum Haupt-Highway an der Küste absetzen hätten können. Aber das lag wieder 50 Kilometer südlicher und ich wollte ja in den Norden. Das war allerdings ein Fehler, da hier nicht viel vorbeikommt. Von einem Bauern werde ich ins nächste kleinere Dorf mitgenommen. Zwischen hier und kaikoura liegt eigentlich nichts mehr, daher hoffe ich bald eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Meistens kommen aber nur Leute durch, die auf ihrem Bauernhof etwas außerhalb wohnen. Eine Frau hält an uns meint, dass Sie mich etwas mitnehmen könnte, ich dann aber wieder mitten im Nirgendwo stehe, daher bleibe ich erstmal. Die nächste Frau, die anhält, fährt bis Mount Lyford. Das ist zwar auch nur ein Drittel vom Weg nach kaikoura, aber ich will hier trotzdem weg. Da wo die Straße nach Mount Lyford abgeht setzt sie mich ab. Bis Mount Lyford sind es noch ein paar Kilometer und diesmal sitze ich wirklich mitten im Nirgendwo! Ich hoffe einfach, dass die Autofahrer mehr Mitleid mit mir haben, aber das zieht wohl doch nicht. Obwohl es erst mittags ist habe ich das Gefühl, dass es schon spät ist, da ich jetzt schon seit Ewigkeiten hier sitze. Es gab sogar eine ganze Stunde, in der kein einziges Auto vorbeikommt. Ich freunde mich schonmal damit an auf der Pferdekoppel zu schlafen, was mit angeboten wurde. Nach vier oder fünf Stunden werde ich dann aber doch erlöst. Trevor hält mit seiner Frau an und nimmt mich in seinem Wohnmobil mit bis nach kaikoura. Ich suche mir ein Hostel und gönne mir erstmal eine Dusche und Abendessen im Restaurant, nach einer Woche Wildcampen. Danach noch eine kleine Runde durch das Städtchen. kaikoura ist berühmt für Wal-Beobachtungs-Touren, die sind mir dann aber doch zu teuer, daher geht es am nächsten Tag auch weiter.



